Impuls am Palmsonntag
Zu erkennen sind die Weltkugel und zwei verschiedene Paar Hände, die sie wie eine Seifenblase vorsichtig halten. Die vorherrschende Farbe des Planeten ist blau, die Farbe des Wassers. Unser blauer Planet! Er ist „auf Händen zu tragen“.
Das Hungertuch will Antwort geben auf die Frage: „Was ist uns heilig?“
Bei dem Wort „heilig“ schwingen nicht nur Begriffe mit wie „wichtig“, „wertvoll“ „kostbar“, sondern auch die Bedeutungen von „unantastbar“, „dem Verbrauch entzogen“, „Tabu“.
Die überwiegende Farbe des Hungertuches ist rot.
In der roten Farbe können mehrere Bedeutungen erkannt werden: Die Farbe der Liebe. Das Verhältnis zwischen dem Menschen und der übrigen Schöpfung muss von Liebe geprägt sein. Wenn sie fehlt, wird die Umwelt schnell zum Objekt. Ausbeutung der Umwelt, Rücksichtslosigkeit und Geringschätzung sind dann die Folge. Deshalb kann die rote Farbe auch als Hinweis auf die Überhitzung des Planeten gedeutet werden: Klimawandel als Folge des ausbeuterischen Umgangs mit unserer Erde.
Auf dem ganzen Hungertuch sind Wörter und Wortteile zu erkennen. Eine Schicht des Kunstwerkes besteht aus Zeitungsblättern, die nur an kleinen Flecken sichtbar sind. Zerfetzt, in kleinen Fetzen erscheint die Zeitung, verstreut und vereinzelt über die ganze Fläche.
Wird nicht auch die Welt durch luxuriöse Rücksichtslosigkeit, unsinnigem Machtstreben und brutaler Gewalt zerfetzt? Sind die Menschen in ihrer individualistischen Lebensweise nicht auch vereinzelt und verstreut – und leiden unter Mangel an guten Beziehungen?
Mir gibt das neue Hungertuch zu denken. Es lässt mich nachdenken über unseren kostbaren Planeten und über meine Lebensweise und deren Folgen für andere Erdteile und für die auch in weit entfernten Ländern.
Ein WENIGER an Konsum und Besitz in unseren Breiten ist geboten, damit Menschen auch in anderen Ländern und auch noch in Zukunft auf unserem Planeten menschenwürdig leben können. Das Sich-Einschränken auf Wesentliches macht mich dabei freier und lässt mich bewusster in der Gegenwart Gottes leben.
Josef Blomenhofer
Dompfarrer und Präses
der Kolpingsfamilioe Eichstätt
