Lesung mit Susanne Conrad

Im vollbesetzten Spiegelsaal der Eichstätter Residenz las die ZDF-Moderatorin Susanne Conrad aus ihrem Buch „Sterben für Anfänger. Wie wir den Umgang mit dem Tod neu lernen können“.
Diözesanvorsitzende Eva Ehard im Gespräch mit Susanne Conrad

Susanne Conrad wurde doppelt mit dem Sterben konfrontiert: vor 12 Jahren erhielt sie die Diagnose Brustkrebs, dann starben ihre Eltern. Heute geht es ihr wieder gut- die Auseinandersetzung mit dem Thema hat ihr neue Lust auf das Leben gegeben- und die Idee zu dem Buch gebracht.

Es sind sehr persönliche Einblicke, die die Autorin an dem Abend schildert. Beispielsweise wie sie mit ihren Eltern die jeweilige Patientenverfügung durchging, um bestehende Ängste zu minimieren und auch die Frage zu diskutieren: was ist gemeint mit „unwürdigem Dahinvegetieren“? Oft sei es dann doch so, dass eine Situation, die für einen gesunden Menschen unzumutbar erscheint, für den Betroffenen immer noch erträglich oder gar lebenswert sein kann. Viele Menschen seien am Ende bereit, viel mehr auszuhalten und auf sich zu nehmen, als sie vorher je gedacht haben. So sei es ihr während ihrer Chemotherapie auch gegangen. Natürlich habe sie in den schlimmen und anstrengenden Phasen gedacht, so etwas mache ich nicht noch einmal durch, lieber sterbe ich - um dann zur Erkenntnis zu kommen, dass sie es doch wieder machen würde. Wenn sie heute gefragt wird, was sich seit ihrer Erkrankung geändert hat, antwortet sie, dass sich ihr Blick weit geöffnet habe für Dinge, die sie vorher nicht oder anders gesehen habe: „Sterben und Tod machen immer noch Angst, aber was wäre unser Leben ohne ein Ende? Es wäre wertlos, beliebig, ein endloser Trott. Erst der Tod macht das Leben kostbar. Und wenn wir uns bewusst machen, wie wertvoll und unwiederbringlich jeder Augenblick ist, beginnen wir unsere Zeit tatsächlich zu nutzen und zu genießen.“

Ängste und Zweifel im Angesicht des Todes betreffen jedoch nicht nur diejenigen, die nicht an Gott glauben. Sie können auch durchaus Gläubige befallen. In diesem Zusammenhang schildert Frau Conrad ein Gespräch, das sie mit Karl Kardinal Lehmann führte. Dieser habe die Nachricht vom Tod seiner Mutter telefonisch erfahren, als er gerade in Istanbul war. Sein jüngerer Bruder starb einen schlimmen Krebstod und hinterließ eine Familie mit Kindern. Da hadert dann auch ein Kardinal mit dem Tod, der diesem schon so oft begegnet ist – als Seelsorger und Begleiter und als Theologe. Der Tod bleibe ein Rätsel, das vermutlich nie entziffert wird. Manchmal ertappe er sich auch bei dem Gefühl, dass alles doch immer weitergeht. Dann müsse man sich zur Ordnung rufen und sagen: „Nimm den Tod ernst.“ Jede Begegnung mit dem Tod sei die Aufforderung an die Lebenden, ein gutes Leben zu führen, etwas zu ändern, umzukehren.

Ein zentrales Thema des Abends war neben der Angst vor dem Tod, der Umgang mit der Trauer. Die verschieden Schicksale, die Susanne Conrad in ihrem Buch gesammelt hat, zeigen alle deutlich, wie wichtig es ist, Trauer und Trauerrituale zuzulassen. Erwachsene und Kinder trauern unterschiedlich lang und intensiv. Kinder trauerten eher kurz, dafür häufig radikal und intensiv. Bei Erwachsenen kann die Trauer ein Begleiter für sehr lange Zeit sein.

Versöhnlich klingt bei Frau Conrad die Erzählung vom Sterben ihres Vaters. Dieser starb aufgehoben und versöhnt nach den uralten kirchlichen Ritualen. Ein würdevoller und friedlicher Tod. Die Autorin empfand diese letzten gemeinsamen Stunden als Lehrstunden von unschätzbaren Wert, denn sie wusste: diesen Weg wirst du auch gehen müssen und die Unerschrockenheit ihres Vaters im Angesicht des Todes machen ihr heute jedes Mal Mut, wenn sie an ihr eigenes Sterben denke.

Die Fragen und Rückmeldungen aus dem Publikum rundeten einen Abend ab, der trotz des traurigen Themas, hoffnungsvoll und nachdenklich stimmte, was an der sehr einfühlsamen und herzlichen Art der Referentin lag, die den einen oder anderen Zuhörer an das Zitat Adolph Kolpings „Wer Mut zeigt, macht Mut“ denken ließ.

Die beiden Veranstalter, Kolpingwerk Diözesanverband Eichstätt und die Katholische Erwachsenenbildung Eichstätt freuten sich, dass rund 80 Besucher der Einladung folgten.

Die Kolping Diözesanvorsitzende Eva Ehard bedankte sich zudem bei der Buchhandlung Sporer, die den Büchertisch übernommen hatte. Viele Gäste des Abends nutzten die Möglichkeit, sich ein Exemplar von der Referentin signieren zu lassen.

30.01.2014