160 Jahre KF Ingolstadt

Predigt von Präses Bernhard Kroll

Das Evangelium des heutigen Sonntags ist beim ersten Hören und auf den ersten Blick eine schwere Kost, sehr radikal und heftig. Wie passt so etwas zu einem Jubiläumsgottesdienst?

Das Evangelium ist das vom 6. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr A, das auf den heutigen Sonntag fällt.

Jesus nimmt Bezug auf die Gesetze Gottes und erklärt, dass er nicht gekommen ist, die Gebote aufzuheben, sondern zu erfüllen. Er sagt uns, wie sie gemeint und zu leben sind. Das Gehörte ist für uns wichtig, wenn wir unseren Glauben ernst nehmen. Jesus geht es nicht um Wortklauberei. Er erklärt uns, dass es um den Sinn, die Aussageabsicht der Gebote geht. Wenn wir verstehen, was mit einem Gebot beabsichtigt ist, können wir es auch befolgen und Gottes Willen tun.

Hier habe ich die Brücke zu unserem heutigen Jubiläum. Wir feiern 160 Jahre Kolpingsfamilie Ingolstadt, die aus dem katholischen Gesellenverein hervorgegangen ist.

Am 26. April 1852 sprach Adolph Kolping im Augsburger Kleinen Goldenen Saal zur Idee der Katholischen Gesellenvereine. Hier sollen junge Männer Gemeinschaft erleben, in ihrem Glauben gestärkt und beruflich weitergebildet werden. 1849 in Köln gegründet, traten die katholischen Gesellenvereine einen Siegeszug in Deutschland und darüber hinaus an. Sie waren eine Antwort auf das soziale Elende jener Zeit.

Gesellen, die ihren Glauben lebten, Gemeinschaft als tragenden Grund erfuhren,  sich weiter qualifizierten und ihren Meister machten, waren gestärkte Persönlichkeiten. Sie konnten von ihrem Verdienst eine Familie ernähren, was einem Gesellen nicht ohne weiteres möglich war. Die Kolpinghäuser, die entstanden, boten wandernden Gesellen Unterkunft und soziale Kontakte.

Nach Kolpings Auftritt in Augsburg entstand der Katholische Gesellenverein Augsburg-Zentral.

Der junge Ingolstädter Karl Sölch war damals in Augsburg zur Ausbildung und lernte den Gesellenverein kennen. Ob er Adolph Kolping selber gehört hat, weiß ich nicht. Er meinte: so ein katholischen Gesellenverein brauchen wir auch in Ingolstadt. Die Idee fand Unterstützung bei Karl Sölch sen. und dem Prediger zur Schönen unserer Lieben Frau, Dr. Ludwig Hecht, so dass 1854 auch in Ingolstadt der katholische Gesellenverein gegründet werden konnte. 1856 veranlasste Präses Nikolaus Mayerhöfer die Aufnahme des Ingolstädter Gesellenvereins in  den katholischen Gesellenverein Bayerns, wie in der Festschrift zum 150jährigen Jubiläum der Kolpingsfamilie Ingolstadt zu lesen ist. 1858 wurde der Ingolstädter Gesellenverein Mitglied im Diözesanverband Eichstätt.

Was im 19. Jahrhundert für die Menschen nötig und hilfreich war, ist im 21. Jahrhundert weitgehend geregelt. Im 21. Jahrhundert sind andere Hilfen notwendig. Mit offenen Augen müssen wir deshalb schauen, was in unserer Zeit die Menschen brauchen. Wo herrscht Not? Wie können wir helfen?

In unserer Kolpingsfamilie sind viele ältere Menschen beheimatet. Auch für sie gilt, was Adolph Kolping vor mehr als 160 Jahren erkannte. Sie finden in der Kolpingsfamilie Gemeinschaft, bilden sich weiter und leben ihren Glauben.

Vor allem setzen sie sich ein für Menschen, die Unterstützung brauchen.

  • sei es durch Projekte in Entwicklungsländern, besonders bei Kolpingsfamilien. Hilfe zur Selbsthilfe nach dem Subsidiaritätspinzip, einem wichtigen Punkt der katholischen Soziallehre, leisten wir, wenn wir Projekte unterstützen, durch die Menschen sich ihren Lebensunterhalt verdienen können.
  • sei es durch Unterstützung der Kolpingakademie durch den Kolpinghaus e. V. Die Kolpingakademie unterstützt junge Menschen durch berufsqualifizierende Maßnahmen und Ausbildungsbegleitende Hilfen.
  • Sei es durch Hilfsprojekte in Litauen oder
  • Durch die Übernahme der Wohn-Betreuung von Auszubildenden.

Papst Franziskus hat in seiner Enzyklika Evangelii Gaudium, die Freude des Evangeliums uns in unserem Engagement für die Hilfsbedürftigen und Schwachen bestärkt:

(187.) „Jeder Christ und jede Gemeinschaft ist berufen, Werkzeug Gottes für die Befreiung und die Förderung der Armen zu sein, so dass sie sich vollkommen in die Gesellschaft einfügen können; das setzt voraus, dass wir gefügig sind und aufmerksam, um den Schrei des Armen zu hören und ihm zu Hilfe zu kommen. Es genügt, in der Heiligen Schrift zu blättern, um zu entdecken, wie der gute himmlische Vater auf den Schrei der Armen hören möchte.“

 Wenn wir als Christen den Hilfeschrei der Armen und Schwachen hören und uns ihnen nicht verschließen, dann handeln wir nach Gottes Willen und erfüllen seine Gebote. Hier sind wir wieder beim heutigen Evangelium.

Wir handeln, wie Gott es von uns erwartet: wir helfen den Bedürftigen und bauen so mit an seinem Reich. Wir danken Gott, dass er uns mitwirken lässt am Aufbau einer gerechteren Welt durch unser Engagement im Kolpingwerk. So gehen wir mit Gottvertrauen in die Zukunft.

Amen

Bernhard Kroll, Präses der Kolpingsfamilie Ingolstadt

19.02.2014

Festgottesdienst in St. Moritz – von links: Diakon Johann Kuschill, Prälat Rainer Brummer, Präses Bernhard Kroll, Dekan Bernhard Oswald

nach der Segnung der Jubiläumskerze – von links Paula Annaberger, Diakon Johann Kuschill, Prälat Rainer Brummer, Präses Bernhard Kroll, Dekan Bernhard Oswald

Festversammlung im Spiegelsaal des Kolpinghauses Ingolstadt

Festversammlung im Spiegelsaal des Kolpinghauses Ingolstadt

Festredner Theo Rau

Aufnahme neuer Mitglieder: Angelika Gogolin und Rudolf Burger

Ehrung verdienter Mitglieder: Ulrich Herrmann und Dr. Werner Bergsteiner

Scheckübergabe: 2210 Euro für Hilfstransport für Litauen (Sigrid Busch – Kolping Akademie) und Aidswaisen in Uganda (Adolf Heinloth)