„Arm trotz Arbeit“
Als ersten Beleg nahm der Lehrstuhlinhaber im Fachbereich Sozialpolitik den Maßnahmenkatalog der Großen Koalition. Einige der getroffenen Entscheidungen wirken sich für die Empfänger der Leistungen nicht so positiv aus, wie sie von der Politik dargestellt werden. So wird die Mütterrente auf die Grundsicherung angerechnet und erzielt somit keinen zusätzlichen positiven Effekt. Ähnliches gilt für die Riester-Rente bei Geringverdienern und Personen, die längere Zeit arbeitslos waren, schon seit Jahren. Blickt man auf die Wahlbeteiligung, untrüglich ein Gradmesser für politisch Handelnde, wird völlig klar: Während in Köln bei der letzten Bundestagswahl in Villenvierteln die Wahlbeteiligung bei nahezu 90 % lag, brachten es Gegenden, in denen Menschen mit geringen Einkommen wohnen, gerade einmal auf 40 Prozent. Wer sich desillusioniert aus dem Prozess der politischen Willensbildung verabschiedet und die Beteiligung an gesellschaftlichen Entscheidungen verweigert, fällt unter das Diktum: Wenig Einkommen, wenig Macht!
In der Diskussion kamen die Besucher des Kamingesprächs schnell zu den Stellschrauben, an denen gedreht werden müsse. Bildungspolitik wurde dabei als präventive Sozialpolitik bezeichnet. Um Gerechtigkeitslücken zu schließen und mehr Chancengleichheit zu erreichen, müssen alle gesellschaftlichen Kräfte zusammenwirken für die Bekämpfung der Bildungsarmut. Weder die Herkunft aus „bildungsfernen“ Familien noch aus jenen mit Migrationshintergrund darf für Kinder zum Startnachteil ins Leben werden, der kaum noch aufzuholen ist. Die anwesenden Gewerkschaftsvertreter, Kolping- und KAB-Mitglieder sowie die Teilnehmer aus dem Bereich der Katholischen Universität Eichstätt und der Kommunalpolitik sahen es als ihre Aufgabe an, sich als Multiplikatoren und Lobbyisten im Sinne der sozial Benachteiligten stark zu machen.