Luthers Wirtschaftsethik – Impulse für verantwortliches Handeln
Der Münchner Industrie- und Sozialpfarrer Roland Pelikan sprach beim Kolping-Erwachsenen-Bildungswerk über die ethische Orientierung in einer globalisierten Welt. Ausgehend von Martin Luthers Schriften sowie dem gemeinsamen Wort des Rates der Evangelischen Kirchen und der Deutschen Bischofskonferenz von 1997 zeichnete Pelikan Grundlinien eines verantwortlichen Handelns in Kirche, Wirtschaft und Gesellschaft.
Dr. Pelikan zeichnete Martin Luther als Seelsorger, der auch im Bereich des Wirtschaftens den Menschen als Mittelpunkt des Handelns ansah. Ethisches Wirtschaften muss daher im Sinne des Reformators den Menschen dienen. Dr. Pelikan war 1982 - durch die Schließung des Münchner AGFA-Werkes und die Teilnahmslosigkeit seiner Kirche bei diesem Ereignis- auf die Bedeutung der Arbeit für den Menschen aufmerksam geworden. Ein Zitat der deutsch-jüdischen Historikerin und Philosophin Hannah Arendt aus dem Jahr 1958 belegt dies nach Pelikan deutlich: „Was uns bevorsteht, ist die Aussicht auf eine Gesellschaft, der die Arbeit ausgegangen ist, also die einzige Tätigkeit, auf die sie sich noch versteht. Was könnte verhängnisvoller sein?“ Wir sprechen heute, so Pelikan, von der Arbeitswelt 4.0, die eine noch größere Arbeitsverdichtung und damit einhergehend größere psychische Probleme verheißt. Die Kirchen dürfen im ökumenischen Geist des gemeinsamen Sozialworts von 1997 „Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit“ nicht nachlassen, den Dialog mit Politikern und Wirtschaftsführern zu suchen und zu gestalten. In diesem Sinne forderte Dr. Pelikan das Vorleben ethischen Handelns durch die Kirchen, z.B. wenn diese selbst Arbeitgeberfunktion ausübten. „Wertschöpfung durch Wertschätzung“ sei für ihn als Mitglied des Bundesvorstandes von Kirche in der Arbeitswelt (kda) ganz wichtig, sagte Pelikan. Nach dem Impulsreferat kamen die Anwesenden im Gespräch auf die Gemeinsamkeiten von Adolph Kolping und Johann Hinrich Wichern, dem Begründer der Diakonie und des Konzepts der Inneren Mission. Außerdem berichtete Pelikan von seiner Arbeit für „SeitenWechsel“, einem Weiterbildungsangebot für Führungskräfte. Dabei werden Manager für eine Woche mit Krankheit, Sucht, Behinderung und Obdachlosigkeit konfrontiert. Durch einfache Tätigkeiten in psychiatrischen Kliniken, Unterkünften für Obdachlose und Flüchtlinge, Justizvollzugsanstalten, Wohngruppen für Kinder-und Jugendliche, Wohnhäuser und Werkstätten für Behinderte, Hospize, Palliativstationen sowie Einrichtungen der Drogen-und Suchthilfe, erzielen die Führungskräfte nachhaltige Lerneffekte für ihren Umgang mit Menschen.
Der Geschäftsführer des Kolping-Erwachsenen-Bildungswerkes, Ewald Kommer, der Dr. Pelikan bereits den Zuhörern vorgestellt hatte, bedankte sich beim Gast des Kamingesprächs zur Arbeitnehmerpastoral für die Einblicke in die Wirtschaftsethik und das Aufzeigen konkreter Handlungsansätze.